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Wieso macht Glücksspiel süchtig und wie entwickelt sich das problematische Spielverhalten

Das Glücksspiel kann sich von vielen unterschiedlichen Seiten zeigen. Einerseits kann das Glücksspiel eine sehr unterhaltsame Freizeitbeschäftigung sein, andererseits kann es sich zu einer ernsthaften und gefährlichen Sucht entwickeln. Viele Menschen können diesen Zeitvertreib einfach ohne Reue genießen und Spaß daran haben, andere Personen verfallen jedoch dieser Sucht und können einfach nicht mehr mit dem Spielen aufhören.

In diesem Artikel werden wir detailliert auf die Suchtgefahren des Glücksspiels eingehen, den Ursachen dieser Sucht auf den Grund gehen und herausarbeiten, wieso manche Spieler mehr gefährdet sind als andere.

Inhaltsverzeichnis:

Die Arten von Spielern und das Risiko, ein Glücksspielproblem zu entwickeln

Warum können manche Menschen das Glücksspiel als harmlose Form der Unterhaltung genießen, und wieso entwickelt es sich für andere Personen zu einer ernsthaften und gefährlichen Sucht? Dies kann zu einem gewissen Teil durch die Tatsache erklärt werden, dass unterschiedliche Menschen das Spielen an sich auf unterschiedliche Art und Weise erleben. Robert L. Custer, M.D., einer der Pioniere im Bereich der pathologischen Glücksspieldiagnose, machte sechs verschiedene Arten von Spielertypen aus.

  1. Professionelle Spieler
  2. Antisoziale/Persönlichkeitsspieler
  3. Gelegenheits- oder soziale Spieler
  4. Intensive soziale Spieler
  5. Ablenkungs- und Fluchtspieler
  6. Zwanghafter Spieler

Hinweis: Seit den Veröffentlichungen von Custers Theorien in den 1980er Jahren werden die Probleme mit dem Glücksspiel als Sucht anerkannt. Zuvor wurde es lediglich als "zwanghaftes Verhalten" eingestuft. Und noch heute besitzt die von Cluster aufgestellte Problemspielertypologie weiterhin hohe Relevanz.

Jede dieser zuvor genannten Gruppe hat ihre eigenen Gründe, am Glücksspiel teilzunehmen und bestimmt auch die Wahrscheinlichkeit, ob eine Person eine Glücksspielsucht entwickelt oder davon verschont bleibt.

1. Professioneller Spieler

Für professionelle Spieler ist Glücksspiel keinesfalls eine Tätigkeit, die sie zum Spaß oder zum bloßen Vergnügen machen. Glücksspiel ist deren Beruf und Haupteinnahmequelle. Diese Art von Spielertypen ist jedoch nicht sehr verbreitet, denn Glücksspiele sind ja im Grunde so konfiguriert, dass diese das Casino bevorzugen und die Spieler im Grunde immer im Nachteil sind. Jedoch jene Spieler, die Casino-Boni bewusst missbrauchen oder die sich durch das sogenannte Kartenzählen beim Blackjack einen Vorteil erarbeiten können, sind mit Sicherheit eine relevante Unterkategorie des professionellen Spielertyps.

Hinweis: Das gängigste Beispiel eines "hauptberuflichen" Spielers ist der des professionellen Pokerspielers. Es ist durchaus möglich, mit dem Pokerspiel Geld zu verdienen, vor allem dann, wenn Sie gegen andere Spieler spielen und nicht gegen die Bank. Trotzdem bedarf es viel Zeit und persönliches Engagement, um ein seriöser und vor allem profitabler Pokerspieler zu werden.

Bei den professionellen Spielern gilt, dass diese eine geringere Chance haben, eine Spielsucht zu entwickeln. Denn diese müssen, um erfolgreich zu sein, logisch und systematisch spielen und mit einem ausgeklügelten Plan und einer klaren Strategie ans Werk gehen. Deren Gründe für das Spielen unterscheiden sich auch stark von jenen eines Gelegenheitsspielers.

2. Antisoziale/Persönlichkeitsspieler

Ähnlich wie professionelle Spieler betrachtet jene Spielertypengruppe das Glücksspiel als eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Im Gegensatz zur Gruppe der professionellen Spielern tendieren die Vertreter dieser Spielergruppe, illegale Spielpraktiken anzuwenden, um dadurch Gewinne einfahren zu können. Diese Spieler suchen auch nach nicht erlaubten Wegen, um sich einen Vorteil gegenüber dem Casino zu erspielen, und haben keine Hemmungen oder Skrupel, Gesetze oder Bestimmungen zu brechen, um dieses Ziel zu erreichen. Sie verwenden Spielpraktiken wie das sogenannte "Fixen oder Verschieben" von Sportwetten oder den Einsatz von gekennzeichneten Spielkarten.

Auch die Vertreter dieser Spielergruppe entwickeln normalerweise keine Spielsucht. Aber diese verwenden gerne die Spielsucht als Ausrede, wenn sie auf Grund ihrer illegalen Aktivitäten bei kriminellen Tätigkeiten in flagranti erwischt werden.

3. Gelegenheits- oder soziale Spieler

Diese Spielergruppe betrachtet das Glücksspiel als ganz gewöhnliche Form der Unterhaltung. Sie nehmen oft mit ihren Freunden und Bekannten an diversen spielbezogenen Aktivitäten teil und verwenden das Glücksspiel als Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen oder bestehende wieder aufzufrischen. Und das Glücksspiel dient auch für diesen Spielertypus als Ablenkung vom Tagesablauf. Und sie schaffen es sogar, sich beim Glücksspiel auszurasten und sogar zu entspannen.

Und auch bei diesem Spielertypus gilt: Das Glücksspiel hat keine besonderen negativen Einflüsse auf diese Spieler. Ihr Familien-, Sozial- und Arbeitsleben bleibt von diesem Zeitvertreib weitgehend unberührt. Im Vergleich zu anderen Arten von Spielertypen haben diese Gelegenheitsspieler eine ausgewogene und abgeklärte Einstellung zum Glücksspiel.

4. Intensiver sozialer Spieler

Wie der Name dieses Spielertypus bereits andeutet, sind diese Spieler intensiv beim Glücksspiel tätig, also "ernsthafte soziale Spieler", die den "nicht ernsthaften" Gelegenheitsspielern war sehr ähnlich sind, aber sie sind im Spiel selbst um einiges engagierter und vielmehr in den Spielverlauf vertieft. Das Glücksspiel ist für die Spieler dieses Spielertypus mit Sicherheit eine der am weitesten verbreiteten Arten der Unterhaltung und eine der häufigsten angewandten Praktiken, um ihre Zeit zu verbringen. Aber das Glücksspiel rangiert auch bei diesem Spielertypus in der Prioritätenpyramide noch viel weiter unterhalb als Familie, Freunde, Beruf und Karriere. Auch diese Spieler können ihre Spielgewohnheiten durchaus kontrollieren.

5. Ablenkungs- und Fluchtspieler

Während die Gelegenheitsspieler und die intensiven sozialen Spieler dem Spiel frönen, um sich selbst - und andere - zu unterhalten, nutzt dieser Spielertypus das Glücksspiel, um die negativen Aspekte ihres Lebens auszublenden und zu verdrängen. Diese negativen Erlebnisse, mit denen die Ablenkungs- und Fluchtspieler konfrontiert sind, können Einsamkeit, Wut, Depression oder auch einfach nur Langeweile sein. Wenn sich der mentale Zustand eines Spielers verschlechtert, er aber nicht in der Lage ist, mit diesen negativen Gedanken und Emotionen umzugehen, so werden sich wahrscheinlich auch seine Spielgewohnheiten verschlechtern. Im schlimmsten Fall können diese Spieler schlussendlich auch der Spielsucht verfallen.

6. Zwanghafter Spieler

Diese "zwanghaften Spieler", die in der Fachliteratur auch als problematische Spieler oder Spielsüchtige bezeichnet werden, haben keine Kontrolle mehr über ihre eigenen Spielgewohnheiten. Das Glücksspiel ist das Wichtigste und Vorrangigste in ihrem Leben, und diese Spielertypen sind bereit, jeden Preis dafür zu bezahlen und werden jedes Opfer bringen, um immer wieder und immer weiter spielen zu können. Das Glücksspiel wirkt sich äußerst negativ auf ihr Leben aus.

In den folgenden Teilen dieses Artikels konzentrieren wir uns speziell auf diesen Typus von Spielern - die zwanghaften Spieler, die problematischen Spieler und Spielsüchtige.

Geht es ihnen nur ums Geld?

Kurz gesagt, nein, auf keinen Fall. In den ersten Studien über Spielsucht wurde mehrfach behauptet, dass ausschließlich finanzielle Gründe als Hauptmotiv für das problematische Spielverhalten bestehen. Aber die Studien der letzten Jahrzehnte zeigten deutlich, dass dies überhaupt nicht der Fall ist. Und diese Fehlinterpretation, dass süchtige Menschen nur auf Grund eines verschwenderischen Lebensstils oder dem Traum von Reichtum getrieben werden, ist nicht nur falsch, sondern auch schädlich und kontraproduktiv für diese in Abhängigkeit geratenen Menschen.

Das bedeutet aber nicht, dass Geld im Leben der Personen mit problematischen Spielgewohnheiten keine bedeutende Rolle spielt, aber diese ist nicht die Hauptquelle ihrer bemitleidenswerten Spielsucht. In den folgenden Abschnitten werden wir uns mit den Ursachen der Spielsucht in physiologischer und psychologischer Hinsicht befassen.

Der Finanzzyklus eines problematischen Spielers

Zu Beginn dieses Abschnittes werden wir uns mit dem finanziellen Wohlbefinden einer Person mit problematischen Spielgewohnheiten befassen. Der folgende beschriebene Finanzzyklus eines problematischen Spielers wurde von Dr. Henry Lesieur postuliert. Wenn Sie eine der unten angeführten genannten Tendenzen bei sich selbst bemerken sollten, so lesen Sie bitte unseren Artikel über die Diagnose und die Symptome bei Glücksspielproblemen. Nur so können Sie sicherzustellen, dass Sie keine potenziell negativen und selbst-schädigenden Gewohnheiten entwickeln werden.

Es ist auch wichtig darauf hinzuweisen, dass dieser sogenannte "Finanzzyklus" aus einem bestimmten Grund als "Zyklus" bezeichnet wird. Denn dessen Ablauf kann auch als eine Art Spirale angesehen werden, die sich für immer wiederholt, und jede einzelne Wiederholung bringt den süchtigen Spieler in immer schlimmere Lebenssituationen, bis er schließlich den ultimativen Tiefpunkt erreicht. Dieser - auch oftmals wiederkehrende - Kreislauf kann jedoch idealerweise durch die betroffene Person beendet oder unterbrochen werden, vor allem dann, wenn professionelle Hilfeleistungen für Spielsüchtige angenommen werden. Wenn diese Behandlungen jedoch nicht rechtzeitig und angemessen angegangen werden, kann dies dazu führen, dass diese Personen aufgrund des Verlusts des verfügbaren Einkommens mit noch viel schlimmeren Konsequenzen zu rechnen haben.

1. Das Wiederauffüllen der Finanzmittel als Spiel-"Verwirklicher"

Zu Beginn einer jeden betreffenden Spielerkarriere verfügt die später spielsüchtig werdende Person noch über genügend finanzielle Mittel, wodurch es aus diesem Grund kein Hindernis gibt, so viel und so oft spielen zu spielen, wie man möchte. Zu dieser Zeit sind seine Einsätze auch am höchsten. Diese Tatsache ist besonders problematisch für jene Spieler, die sich dadurch einen "Widerstand" gegen niedrige Einsätze angeeignet haben, und die mit niedrigen oder geringsten Einsätzen nicht mehr den gleichen Nervenkitzel herausholen können, als bei den maximalen Einsatzbeträgen. Ein Spieler, der an einem ganz schweren Fall von diagnostizierter Spielsucht leidet, kann leicht den Großteils seines monatlich zur Verfügung stehenden Einkommen in wenigen Tage, manchmal sogar in nur wenigen Stunden, einfach verpulvern, und dies alles nur, weil er dem "speziellen Kick" nachjagt.

2. Der Rückgang der Finanzen als Spiel-"Hemmschuh"

Früher oder - in den wenigsten Fällen - später - geht dem Spielsüchtigen das benötigte Geld aus, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch nicht völlig pleite ist. Und dann treten in dieser Phase des angesprochenen Zyklus die unterschiedlichsten Gemütszustände auf: das Verspüren von Angstgefühlen, Bedauern und Melancholie sind zu diesem Zeitpunkt die häufigst anzutreffenden Gefühle der Betroffenen. Und das mehrfach angewandte "Konzept" des "Ausgleichs der Verluste" zeigt an dieser Stelle ebenfalls seine hässliche Fratze. Süchtige Spieler sehen sich in den allermeisten Fällen veranlasst, das bereits im Laufe ihrer Spielerkarriere verlorene Geld wieder zurückzugewinnen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass sich das Glück wendet um wieder an deren Seite zu stehen. Es tritt immer genau das Gegenteil sein: Es werden in Summe noch viel mehr finanzielle Mittel verschleudert.

3. Das Fehlen finanzieller Mittel als Hauptursache von Schulden und existenzieller Not

Dieser Teil der abwärts gerichteten Spiralbewegung setzt dann ein, sobald der Süchtige keine finanziellen Mittel mehr besitzt um seine Sucht befriedigen zu können. Die Gefühle von Angst und Melancholie, die in der zuvor stattfindenden Phase vom Spieler erlebt wurden, verwandeln sich allmählich - verständlicherweise - in völlige Verzweiflung und auch in vielen Fällen in Depression. Abhängig von der Schwere der Sucht und der Willenskraft der einzelnen betroffenen Person, können einige der Spieler möglicherweise für eine bestimmte Zeit vollständig mit dem Spielen aufhören. Dies kann jedoch mit fortschreitender Dauer zunehmend schwieriger werden, da Spieler, die nicht weiterspielen können, und die wirklich ernsthafte Spielprobleme haben, sogar körperliche und geistige Zusammenbrüche erleiden können, so als ob sie unter einer Drogen-Substanzabhängigkeit leiden würden.

Dieser Teil des Zyklus wird erst dann beendet, wenn der Spieler wieder etwas Geld zur Verfügung hat um seiner Sucht gerecht zu werden. Diese neunen finanziellen Mitteln können nun aus ganz unterschiedlichen Quellen stammen und stammen mit Sicherheit nicht aus dem betreffenden beruflichen Einkommen. Es werden Kredite in der Familie oder bei Freunden aufgenommen, oder noch besorgniserregender, bei Banken oder Kredithaien, und im allerschlimmsten Fall dienen gesetzeswidrige Aktivitäten als allerletztes Mittel zur Geldbeschaffung.

Was verursacht und verlängert die Spielsucht?

Wenn es um Spielsucht geht, so ist es wichtig zu erwähnen und zu verstehen, dass diese niemals nur durch einen einzigen Faktor ausgelöst werden kann. Diese Suchtauslöser werden in den meisten Fällen durch Kombinationen unterschiedlichster Ursachen angestoßen, die aus einer Reihe komplexer Verursachern, Zwängen und Wünschen erzeugt werdeb, die allesamt zu einem problematischen Spielverhalten führen. Diese bestimmten Faktoren können nach je nach Herkunft in die folgenden Gruppen unterteilt werden: biologische, psychologische, soziale und spirituelle Einflüsse. Dieses Konzept ist in der einschlägigen Wissenschaft als die "bio-psycho-sozio-spirituelle Perspektive" der Sucht bekannt.

Bei der Spielsucht konzentrieren wir uns auf die ersten beiden Faktoren: biologische und psychologische. Diese Suchtfaktoren werden durch konkrete Beweise gestützt und werden für die Mehrzahl der Fälle von problematischem Glücksspiel verantwortlich gemacht. Wenn wir jedoch den Schleier lüften, der über den Theorien und den Hintergründen dieser Krankheit hängt, so helfen wir dabei langjährige Missverständnisse abzubauen und für mehr Verständnis und Aufklärung in den laufenden Diskussionen einzutreten.

Die biologischen Faktoren

Von einigen Wissenschaftlern wurde die Sucht generell als eine "chronische Erkrankung des Gehirns" definiert. Dieser Erklärungsversuch ist jedoch zu ungenau und viel zu einfach. Denn diese Aussage könnte für die Spielsüchtigen als ein Freifahrtsschein angesehen werden, denn sie leiden unter einer Sucht, gegen die sie nichts unternehmen könnten, da sie "krank" sind. Und diese Behauptung ist natürlich vollkommen falsch. Aber diese Definitionen kann als Fundament einer Erklärung angesehen werden, denn sie ermöglicht uns auch einige interessante Einblicke in die Welt der Abhängigen.

Ersten kann jedoch festgehalten werden, dass rund 50% der Spielsucht auf biologischen Faktoren basiert. Und zweitens ist die Vorstellung, dass Menschen von Substanzen und Aktivitäten abhängig werden, technisch falsch. In Wirklichkeit werden die Spielsüchtigen süchtig auf Chemikalien, die unser Gehirn als Reaktion auf äußere Reize absondert. Drittens, Personen mit einem gesunden Gehirn sind um einiges suchtgefährdeter. Denn das menschliche Gehirn ist so "programmiert", dass lustvolle Tätigkeiten immer wieder wiederholt werden wollen damit die angenehmen Erfahrungen permanent erlebt werden können. Und dies sind im Grunde Eigenschaften, die uns beim Überleben helfen, denn ohne diese würden wir nicht Essen, Trinken oder für Nachwuchs sorgen. Diese urmenschlichen Überlebenstriebe werden von Psychologie- und Biologieexperten auch "motivierte Verhaltensweisen" bezeichnet.

Unser Gehirn kann sich an immer neue Reize anpassen und sich an diese gewöhnen und diese gleichzeitig auch in verschiedene Wichtigkeitsstufen kategorisieren, von sehr wichtig bis absolut bedeutungslos. Dies ist der biologische Prozess, durch den eine Person in eine Sucht gelangen kann. Mit fortschreitendem Suchtstadium wirken sich dessen Auswirkungen immer weiter auf das Gehirn aus und verändert sogar physisch dessen Struktur. Insgesamt sind sechs Hauptfaktoren in diesem Prozess auszumachen.

Drei Teile des Gehirns:

  • Zerebraler Kortex
  • Amygdala
  • Hypothalamus

Drei Chemikalien im Gehirn - die Neurochemie:

  • Serotonin
  • Dopamin
  • Noradrenalin

Zerebraler Kortex

Veränderungen in der Großhirnrinde führen im Allgemeinen zu einer Beeinträchtigung der Entscheidungsfähigkeit und einer zunehmenden Tendenz zur Impulsivität und zu zwanghaftem Verhalten. Diese Veränderungen sind auch der Grund, warum eine süchtige Person Schwierigkeiten haben kann, kluge und richtige Entscheidungen zu treffen. Stattdessen können sich Entscheidungen aus einer Laune ergeben und die Handlungen beruhen auf riskanten und zumeist falschen Lagebeurteilungen.

Amygdala

Die Amygdala verarbeitet externe Impulse und leitet die vegetativen Reaktionen dazu ein und ist mit den Erinnerungen und Emotionen unseres Seins verbunden. Und sowohl positive als auch negative Erinnerungen schaffen Assoziationen, die unserem Gehirn helfen, vorauszusehen, was uns zukünftig noch erwarten könnte. Nehmen wir als Beispiel einen Spieler, der jeden Mittwoch nach Büroschluss in seinem Lieblingsrestaurant eine Kleinigkeit isst und dabei auch noch spielt. Das Gehirn dieser Person erwartet sich, dass sich dieses Verhalten jede Woche kontinuierlich wiederholt, und ein Gewohnheits- bzw. Verhaltensmuster hat sich dadurch in unserem Gehirn etabliert.

Wenn sich diese Person jedoch nun dafür entscheidet, mit dem Glücksspiel aufzuhören, so wird die wiederholende Routine des Spielens beendet und im Gehirn des Spielers treten Entzugserscheinungen auf, da die guten Gefühle, die durch das Spielen ausgelöst wurden, auf einmal ausbleiben. Aus diesem Grund kann es nach einer erstmaligen Beendigung einer Tätigkeit (in diesem Fall das "Spielen") auch zu Rückfällen kommen, wenn die damit verbundenen Routinen und Gewohnheiten ebenfalls nicht gestoppt werden.

Der Hypothalamus

Der Hypothalamus ist eng mit der Fähigkeit verbunden, mit Stress umzugehen zu können. Viele Spieler, sowohl jene mit als auch jene ohne Schwierigkeiten mit dem Glücksspiel, verwenden dieses - auch unbewusst - als Bewältigungsmechanismus, um bestimmten Stresssituationen entfliehen zu können. Leider verringert aber ein Suchtverhalten die Fähigkeit, Stress und seine Symptome effektiv zu reduzieren. So ergibt sich sehr schnell ein Teufelskreis, in der eine spielsüchtige Person geraten kann, wenn sie mit dem Stress fertig werden will. Übermäßiges Verlangen nach dem permanenten Spielen führt dazu, dass Spieler in schwierige Situationen gelangen, die zusätzlichen Stress verursachen. Aber wenn die Spielgewohnheiten unterbrochen werden, so verursachen die weitern Veränderungen noch zusätzlichen Stress.

Serotonin

Serotonin gilt im Gegensatz zu Dopamin als die wahre "glückbringende Chemikalie". Personen mit einem niedrigen Serotoninspiegel klagen vermehrt über Melancholie oder leiden sogar unter Depressionen. Und suchtkranke Menschen scheinen besonders anfällig für Stimmungsschwankungen zu sein. Serotonin hängt auch sehr mit Motivation und motivierendem Verhalten zusammen (z. B. Essen, Trinken, etc.). Spielsüchtige oder spielsuchtgefährdete Spieler scheinen Anomalien im Serotoninspiegeln und in dessen Kreislauf aufzuweisen. Dies kann zu Problemen mit motivierten Verhaltensweisen hervorrufen (z. B. das Abendessen wird verpasst, die ganze Nacht wird wach geblieben, um immer noch mehr spielen zu können).

Interessanterweise ist Serotonin auch stark mit dem "Verlustausgleich" verbunden, eine nachvollziehbare Eigenschaft, die überall auf der Welt bei jeder Art von Spieler anzutreffen ist. Serotonin und Dopamin scheinen die betroffenen Spieler weniger empfindlich für das "Ausschalten" des Gefühls des Verlierens zu machen. Nach einer Pechsträhne macht sich eine durchschnittliche spielende Person angewidert auf den Heimweg. Anders verhält es sich bei Spielern, die bereits eine Spielsucht entwickelt haben, bereits vollkommen desensibilisiert von den negativen Gefühle und mit dem Verlust von Geld verbunden sind. Diese werden sich noch für lange Zeit auf die Jagd nach dem vermeidlich neuen Spielglück machen.

Dopamin

Dopamin ist sehr eng mit jenen Prozessen verbunden, die mit dem Amygdala-Teil des Gehirns verbunden sind. Entgegen der landläufigen Meinung ist Dopamin keine "glückliche Chemikalie", sondern sie regelt die Belohnungssysteme in unserem Gehirn. Dopamin wird dann freigesetzt, wenn wir eine als "wünschenswert" erachtete Aktion ausgeführt haben. Dieser Anstieg an chemischen Stoffen wird oft landläufig als glückseliges, "hohes" Gefühl bezeichnet. Aus diesem Grund fühlen sich die Menschen gezwungen, ihr Verhalten zu wiederholen. Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass während des Spielvorgangs sowohl bei Freizeit- als auch bei Problemspielern ein höherer Dopamin-Spiegel beobachtet werden konnte.

Hinweis: Dopamin steht in der wissenschaftlichen Forschung im Zusammenhang mit Suchtverhalten im besonderen Interesse. Menschen, die an der Parkinson-Krankheit leiden, die u.a. auch durch fehlerhafte Dopamin-Systeme verursacht wird, entwickeln mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Suchtverhalten als alle anderen Personen. Das volle Ausmaß der Bedeutung von Dopamin in unserem Gehirn und in unserem Verhalten ist bei weitem noch nicht vollkommen erforscht.

Noradrenalin

Noradrenalin ist eine Chemikalie, die den Körper und das Gehirn auf Aktionen vorbereitet und motiviert. Es erhöht die Aufmerksamkeit und den Erregungszustand, fördert die Wachsamkeit und hilft bei der Speicherung und der anschließenden Erinnerung der gesetzten Handlungen. Aber es kann auch Unruhe und Stress verursachen. Natürlich werden die höchsten Ausprägungen an dieser chemischen Substanz in gefährlichen Situationen ausgeschüttet, zum Beispiel wenn der Kampf- oder Fluchtinstinkt einsetzt.

Interessanterweise scheinen alle Spieler, gefährdet, süchtig oder problemfrei, beim Spielvorgang einen höheren Noradrenalin-Spiegel zu haben. Dies könnte auch die Erklärung dafür liefern, wieso so viele Spieler tief in ein Spiel eintauchen können und sich darin verlieren können. Und zusätzlich ist dieser chemische Botenstoff auch noch für die Rückfälle, die Belohnungssensibilisierung (Steigerung des Empfindens durch wiederkehrende Effekte), Aufmerksamkeit und Sensationsneugier zuständig.

Die Psychologischen Faktoren

Wie bereits erwähnt, ist eine Sucht generell ein komplexes System miteinander verbundener Faktoren, das in der Wissenschaft auchals bio-psycho-sozial-spirituelles Suchtmodell bezeichnet wird. Aber der Weg zur Erkenntnis geht noch viel weiter. Jeder dieser einzelnen Faktoren hat noch seine eigenen Unterteilungen und Deutungsansätze. Dies gilt selbstverständlich auch für die psychologischen Aspekte einer Sucht und deren Definition.

Vielerlei Spezialisten und Wissenschaftler haben oftmals versucht, eine einzige psychologischen Deutung zu konstruieren, die die Spielsucht auf einfache Weise erklären kann, haben sich aber letztendlich immer in weiterführenden Details verloren. Die zurzeit beste und am weitesten verbreitete Theorie über Spielsucht ist das sogenannte "integriertes Modell", das von den Suchtpsychologen Blaszczynski und Nower der Fachwelt vorgestellt wurde.

Das "integrierte Modell" erkennt die geläufigen Erkenntnisse aus den verschiedenen psychologischen Theorien (Lernen, Kognitivismus, Sucht, Persönlichkeit und Psychoanalyse) an und verbindet diese einzelnen Teilbereiche, um eine umfassende Theorie des zu diskutierten Themas zu erstellen. Blazczynski und Nower können daher die betroffenen spielsüchtigen Personen in drei verschiedene Kategorien einteilen. Diese Kategorisierung basiert auf den möglichen Gründen für deren Sucht:

  • Emotional verletzliche Problemspieler
  • Problemspieler mit konditioniertem Spielverhalten
  • Antisozial impulsive Problemspieler

Diese Theorie erkennt an, dass alle Problemspieler ähnliche Symptome von unpassenden Gewohnheiten zeigen, der Ausgangspunkt dieser Faktoren jedoch sehr unterschiedlich ist. Nichtsdestotrotz weisen diese Forscher darauf hin, dass mehrere unterschiedliche Aspekte und Einflüsse, wie zum Beispiel bestimmte Umweltfaktoren, die zentrale Rolle bei der Spielererregung und deren Konditionierung ist. Hier wird auf sukzessive Lernprozesse eingegangen, die betreffenden Personen veranlassen, auf eine bestimmte Art und Weise auf etwas Gegebenes zu reagieren. Beispielsweise sei hier auf das starke Verlangen, Slotspiele zu spielen, hingewiesen, sobald der Spieler die ihm altbekannte Musik dieses Spiels zum Hören bekommt. Weiter treten kognitive Verzerrungen (Illusionen) in allen drei genannten Kategorien auf.

Emotional verletzliche Problemspieler

Emotional verletzliche Spieler spielen um des Eskapismus willen, wollen also der Realität entfliehen und wollen damit einen Abstand von der Negativität ihres Lebens erreichen. Die Problemspieler, die von diesem zwanghaftem Spielverhalten gezeichnet sind, sind normalerweise emotional gestört, können nur sehr schwer die an sie gestellten Herausforderungen bewältigen, sind sozial vereinsamt und haben ein geringes Selbstwertgefühl. Der beste Weg, dieser Art von Spielsüchtigen zu helfen, ist die professionelle Beratung und fachgerechte Behandlung, die auf die zugrunde liegenden emotionalen Ursachen, Auswirkungen und Schäden eingeht und die auf Unterstützung beim Wiederaufbau verbesserter Problemlösungsfähigkeiten eingeht.

Problemspieler mit konditioniertem Spielverhalten

Diese Art von Spielern ist quasi in deren Zwängen und Verhaltensweisen gefangen. Sie sind stark von äußeren Einflüssen getrieben und neigen dazu, die immer gleichen Ablaufreaktionen zu zeigen. Konsultationen mit ausgebildeten Fachleuten und Spezialisten sind normalerweise der beste Weg, um diesem Personenkreis aus ihren vordefinierten Verhaltensmustern herauszulösen.

Antisozial impulsive Problemspieler

Diese Spieler sind Opfer ihrer biologischen "Verkabelung". Genetische und neurochemische Faktoren führen zu einem nahezu ungebremsten Bedarf an Stimulation und impulsiven Aktionen. In diesem Fall können nur medikamentöse und andere Therapien den betroffenen Problemspielern helfen, nicht mehr Abhängige des eigenen Körper und Geistes zu sein. Nur durch dieser Lösungsansätze kann diesen Personen geholfen werden, um wieder die eigenen Entscheidungen selbst zu treffen zu können.

Wie die Spieleigenschaften die Spielsucht beeinflussen können

Casinos haben verständlicherweise im Allgemeinen sehr klare selbstgesteckte Ziele. Das Ziel aller landbasierten und Online-Casinos ist es, die Interessierten zum Spielen zu animieren, sie beim Spielen zu halten und diese dazu zu verleiten, so viel Geld als nur möglich auszugeben. Und wenn diese Glücksspieltempel ihre Hausaufgaben gut gemacht haben, so gehen die Spieler mit einem guten Gefühl nach Hause und haben mit Sicherheit vor, zumindest ein weiteres Mal wieder im Casino ihrer Wahl vorbeizuschauen. Dies wird als im Fachjargon als die "Beschleunigung der Glücksspielproduktivität" bezeichnet. Umgangssprachlich könnte dies wie folgt übersetzt werden: "Wir erhöhen die Anzahl der Spiele und die Einsätze eines Spielers für eine bestimmte Zeitspanne".

Und landgestützte Casinos haben einen ganz klaren Vorteil gegenüber ihren Online-Kollegen, die ihrerseits ihre Marken im Internet anbieten. Dank der physischen Anwesenheit des Spielers hat das Casino bedeutend mehr Möglichkeiten, sie durch das hauseigene Personal, das Ambiente des Casinos und durch verschiedene Vergünstigungen zu beeinflussen. Aber auch die im weltweiten Netz operierenden Online-Casinos haben im Laufe der Zeit Praktiken entwickelt, um sich die Spieler getreu und gefügig zu machen.

Einige der beliebtesten Spiele und, noch überraschender, Apps wurden durch Online-Glücksspiele inspiriert und beeinflusst. Nehmen wir zum Beispiel "Candy Crush", das alle spielbegeisterten Mütter noch vor ein paar Jahren mit Hingabe gespielt haben, und dessen Spielmechanik ebenfalls stark vom Glücksspiel inspiriert wurde. Social-Media-Plattformen wie Instagram und Facebook funktionieren nach ähnlichen Prinzipien wie ein Slotspiel. Oh, und Tinder? Fangen wir damit gar nicht erst einmal an!

Schauen wir uns einmal genauer die verschiedenen Techniken an, und erläutern wir die Tatsachen, mit denen uns die Spieleentwickler auf unsere Mobilgeräte und Laptop-Bildschirme locken, um uns schlussendlich von unserem hart verdienten Geld schmerzhaft trennen zu müssen.

1) "Tokenisierung"

Unter "Tokenisierung" wird generell jener Prozess verstanden, bei dem eine gängige international gültige Währung gegen etwas getauscht wird, das eigentlich nur ideellen Wert besitzt. Sie können sich darunter einen gewöhnlichen Pokerchip vorstellen. Diese Technik der "Tokenisierung" wird in vielen Online- und den meisten landgestützten Casinos verwendet, um eine Art "mentale Distanz" zu schaffen, die den tatsächlichen Wert des Chips verschleiern soll. Dies macht es für den Spieler unbewusst viel einfacher, seine Chips zu setzen und schlussendlich zu verlieren, ohne während des Spielvorgangs wirklich darüber nachzudenken zu müssen, wie viel Geld diese Spieljeton nun eigentlich wirklich haben könnte.

2) Gamification

Wie der Name schon vermuten lässt, ließen sich die Gamification-Techniken von den jüngeren Familienmitgliedern des Glücksspiels, den Videospielen, inspirieren. Die Gamification-Techniken können verschiedene Formen und Ausprägungen annehmen. Einige Online-Casinos haben eigene Bestenlisten, die die Spieler dazu motivieren sollen, um die gut dotierten Spitzenplätze zu kämpfen. Aber dadurch müssen die Spieler auch größere Risiken eingehen, viele zusätzliche Spiele spielen und mehr Einsätze tätigen um wirklich in die Spitzenplätze dieser Ranglisten zu kommen. Andere Techniken konzentrieren sich eher auf jene Spiele, die auf Geschicklichkeit beruhen und die dem Spieler das Gefühl vermitteln sollen, ein wirklicher Experte zu sein, um auf Grund der eigenen persönlichen Leistung oder des Könnens das Gefühl der Zufriedenheit zu steigern.

Es gibt auch Arten von Gamification-Techniken, die normalerweise nur innerhalb von Social-Casinos zu finden sind. Zum Beispiel seinen hier die willkürliche Wartezeiten für das Auffüllen von Spielgeld in Form von Chips oder das Bezahlen eines kleinen Geldbetrags, um sofort weiterzuspielen zu können, erwähnt.

3) Ein vereinfachter Zugang zu verschiedenen Spielmöglichkeiten

Dieses Konzept ist recht simpel. Im Idealfall wird einem Spieler ein einfacher Zugriff auf viele verschiedene Spiele und Spieltypen innerhalb eines Casinos gewährt, ohne dass dieser auf einen anderen Tab klicken oder eine andere Webseite aufrufen muss. Menschen sind von Natur her eher der Bequemlichkeit zugetan und selbst eine kleine Unannehmlichkeit wie das Klicken auf eine andere Webseite wird die Wahrscheinlichkeit verringern, dass der betreffende Spieler weiter spielen wird.

4) Die "Belohnungsunsicherheit"

Diese Technik, die auch als "variable intermittierende Verhaltensunsicherheit" bekannt ist, basiert auf den Theorien von B. F. Skinner, dem berühmten Schöpfer der Skinner Box, die von ihm sogar mit einem Spielautomaten verglichen wurde. Seine Forschungen führten zu Tage, dass Menschen stärkere Reaktionen erfahren und zeigen, wenn sie sich nicht sicher sein können, ob sie gewinnen werden oder nicht. Das Warten auf ein (Spiel)-Ergebnis erzeugt Spannung, die erst nach dem tatsächlichen Eintreten des Spielausgangs nachlässt.

Dies machte sich die Glücksspielbranche zu Nutze, indem sie die Spieler durch häufige "Fast-Gewinne" und kleinere Gewinnbeträge zu einem immer schnelleren Spielverhalten motivieren konnte. Denn eine Person, die sich einem hohen Gewinn wirklich "nahe" fühlt, hört in den seltensten Fällen zum Spielen auf.

5) Als Siege getarnte Verluste

Die auch als "vorgetäuschte Gewinne" bekannten Spielergebnisse sind nichts anderes als Verluste, die als Gewinne getarnt sind. Diese kommen häufig bei Spielautomaten vor, die mit einer hohen Anzahl von Gewinnlinien oder Gewinnmöglichkeiten versehen sind. So manches Slotspiel hat 25, 50, 100 oder in einigen Fällen auch Tausende von Gewinnlinien. Dies macht es natürlich einfacher zumindest eine dieser "Gewinn-Kombinationen" zu treffen.

Der psychologische Ansatz hinter diesem Konzept ist, dass Sie häufiger gewinnen, wenn es mehr Gewinnmöglichkeiten gibt. Und natürlich wollen die Spieler immer nur gewinnen. Und diese setzen also mehr und immer mehr ein und spielen weiter, weil Sie das Gefühl haben, Gelder durch Gewinne zu verdienen. Aber die Gewinne, die Sie bei diesem Slotspiel einfahren, sind in den meisten Fällen oft viel niedriger als die Einsätze, die Sie tatsächlich getätigt haben. Das Casino bemächtigt sich also an ihrem gesamtem Geld, tut es aber schön langsam, ohne dass Sie es überhaupt bemerken werden.

6) Positive audiovisuelle Verstärkung

Helle, glitzernde, grelle Lichter und laute, schrille, ins Ohr gehende Soundeffekte sind seit dem erstmaligen Aufkommen eines Einarmigen Banditen ein untrennbarer Bestandteil des Glücksspiels. Aber nicht viele Menschen sind sich dessen bewusst, dass diese Effekte darauf ausgelegt sind, die Aufmerksamkeit der Spieler zu bekommen und um diese "bei der Maschine" zu halten, wenn diese Spieler bereits ins Fangnetz des Glücksspiels gegangen sind.

Viele bestimmte Eigenschaften müssen erfüllt werden, wenn ein perfektes und geeignetes audiovisuelle Spielerlebnis geschaffen werden soll. Der Sound muss gerade laut genug sein, um die Umgebung zu übertönen, aber nicht zu laut, um vom eigentlichen Spielereignis abzulenken. Es solle genau die Spielgegebenheiten reflektieren, die gerade während des Spielverlaufs wiedergegeben werden. Dieser abgestimmter Mix gibt den Spielern das Gefühl, dass deren gesetzte Handlungen wichtig sind, und dass sie sogar das Spielergebnis in irgendeiner Weise beeinflussen können. Gleiches gilt selbstverständlich auch für die Bildschirmdarstellungen. Diese müssen hell, klar, lesbar und auffällig sein, sich aber auf einem Darstellungsniveau bewegen, das dem Spielablauf keineswegs beeinträchtigt. Nur etwas zum Ansehen, während Sie voll und ganz im Spiel versinken...

7) Die "spieleintauchenden" Faktoren

Bei der breitgefächerten Diskussion darüber, wodurch die Spielsucht nun eigentlich verursacht und am Leben gehalten wird, haben wir bereits in diesem Artikel erwähnt, dass die Sucht oft auch ein falscher Bewältigungsmechanismus ist, der dann verwendet wird, wenn negative Emotionen aus unserem Leben entfernt werden sollen, damit wir diesen entkommen können. "The Zone", eine Fachbezeichnung, die zum ersten Mal von der Forscherin Natasha Schüll verwendet wurde, ist der Schlüssel zum Verständnis dieses Verhaltens.

"The Zone", auch als "das Hoch des Spielers" bezeichnet, beschreibt jenen Geisteszustand, bei dem ein Spieler vollständig in das betreffende Spiel eingetaucht ist. Die betreffende Person verliert den Überblick über Raum und Zeit und verbringt manchmal Stunden mit ein und derselben Beschäftigung, solange bis sie durch etwas ablenkt wird und der "Trance-Zustand" beendet wird.

Es wurden bereits zwei Hauptkomponenten besprochen, die dazu führen, dass ein Spieler in das "Spielerhoch" eintreten kann: die grafischen Darstellungen und die audiovisuellen Effekte. Aber es gibt jedoch einen dritten Aspekt, den sich die Spieleentwickler bei der Erstellung eines neuen Spieles zu Herzen nehmen sollten, wenn sie einen "Hoch-Effekt" kreieren möchten. Die Spielgeschwindigkeit ist mit Sicherheit der wichtigste Aspekt. Ist der Spielverlauf zu langsam, so wird dem Spieler langweilig und er verliert sicher schnell die Lust am Spiel. Wenn das Spiel zu schnell abläuft, so bewirkt dies ausschließlich Frustration beim Spieler. Die Spieledesigner haben daher begonnen, ihre Spiele so umzusetzen, dass sie sich an die von den Spielern bevorzugte Geschwindigkeit halten und den Spielverlauf so in der zeitlichen Taktung steuern.

Es gibt jedoch eine Funktion, die diese Überlegungen alle ad-absurdum führt. Denn die "Auto-Play" Funktion ist auf dem Glücksspielmarkt seit geraumer Zeit fixer Bestandteil des Spielverlaufs. Diese automatische Spielwiederholung hat sich bereits fest in das Bewusstsein der Spieler eingeprägt und niemand findet diese Einstellung mehr erwähnenswert. Was jedoch zumeist unbemerkt bleibt, ist die Tatsache, dass diese einmal eingestellten Spielwiederholungen unter bestimmten Umständen ziemlich gefährlich sein können. Nach dem Drücken der automatischen Wiedergabetaste müssen die Spieler nicht einmal mehr jedes einzelnes Spiel selbst starten bzw. spielen. Die einzelnen Spiele spielen sich von selbst und die Spieler merken daher möglicherweise nicht einmal mehr, wie viel Zeit sie bei diesem betreffenden Spiel bereits verbracht haben und wie viele Einsätze sie getätigt haben und wie hoch ihre tatsächlichen Verluste bereits sind.

Das Fazit und die Zusammenfassung

Die Spielsucht an und für sich ist viel komplexer als die meisten Menschen glauben. Die Kombination von biologischen und psychologischen Faktoren bewirkt im schlimmsten Fall, dass Sie einem schwer bezwingbaren Gegner gegenüberstehen. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie oder eine Ihnen vertraute Person in Gefahr sein sollte, glücksspielsüchtig zu werden, so empfehlen wir Ihnen dringend unseren Artikel über die Diagnose von Glücksspielproblemen zu lesen. Und sollten Sie jemanden kennen, der bereits tief im Sumpf der Glücksspielproblematik steckt, so schlagen wir Ihnen vor, unbedingt unseren Artikel zur Überwindung von Glücksspielproblemen zu lesen oder gleich eine in unseren Auflistungen befindlichenHilfezentren bei Problemen mit dem Glücksspiel zu kontaktieren.

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