KURIOSE GLÜCKSSPIELGESETZE AUS ALLER WELT
Auf unserer Welt gibt es gegenwärtig mehr als 200 Staaten, und fast jedes dieser Länder hat seine eigenen Gesetzgebungen hinsichtlich des Glücksspiels. Die einzelnen Gesetze hängen natürlich auch mit den Traditionen, der Geschichte und den Gepflogenheiten dieser Nationen zusammen, und daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass wir in verschiedenen Regionen dieser Welt auf eigentümliche Gesetze stoßen, die das Glücksspiel reglementieren, und zwar auf kuriose Art und Weise. Diese Gesetze und Verordnungen mögen in den betreffenden Staaten akzeptiert und schon lange umgesetzt sein, in anderen Länder und deren Bevölkerungen können diese Auslegungen für ein Raunen sorgen, aber auch auf viel Unverständnis stoßen.
Auf Grund seiner Komplexität und Vielschichtigkeit ist das Glücksspiel zu einer hochprofessionellen und lukrativen Industriesparte geworden, bei der auch das eine oder andere kuriose Gesetze verabschiedet wurde. Die Bandbreite im Bereich der Glücksspielgesetze ist enorm, denn die Gesetzeslage reicht von völliger Deregulierung bis hin zum kompletten Verbot jeglicher Glücksspielaktivitäten. Manche dieser staatlichen Verordnungen wirken geradezu bizarr, andere lassen eine gewisse Hinterlistigkeit erahnen, ganz so, als ob die Gesetzgeber genau wüssten, was sie tun. Aber es gibt auch so manches Gesetz, dass auf den ersten Blick eigentlich keinen oder wenig Sinn ergibt.
Bei einigen Gesetzen kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, bei anderen stehen dem Betrachter die Haare zu Berge, aber dennoch gilt es immer zu bedenken, dass viele dieser Erlässe und Regelungen bis heute in Kraft sind. Wenn Sie also viel unterwegs sind, und ab und zu ein Spielchen wagen möchten, sollten Sie bei Ihren Reisen auf Grund dieser vielen Unterschiede immer gut aufpassen, damit Sie mit den betreffenden Gesetzen nicht in Berührung kommen. Hier präsentieren wir Ihnen einige der kuriosesten, bizarrsten und unglaublichsten Glücksspielgesetze der Welt.
Japan – Ein Land mit einer Gesetzeslücke
Japan hat seit Jahrzehnten die Reputation als weltweit angesehenes Unterhaltungsimperium zu gelten, daher mag es überraschen, dass das Glücksspiel in Japan grundsätzlich illegal ist. Zwar gilt dieses Verbot nicht für den Motorsport, Pferderennen und Lotterien aller Art, aber für alle anderen Formen des Glücksspiels – einschließlich der in Fernost beliebten Spielautomaten. Und genau hier wird es interessant. Zwar sind Slots in Japan verboten, jedoch ist Pachinko, ein beliebtes japanisches Spiel, das Elemente von Flipper und – wie die japanische Bezeichnung schon verrät – Spielautomaten kombiniert, völlig legal und überaus beliebt.
Die Besonderheit dieses Spielsystems liegt darin, dass die eigentlichen Betreiber dieses Spiels die eingefahrenen Gewinne nicht direkt auszahlen, sondern über eine dazwischengeschaltete Vermittlungsagentur schleifen. Durch diesen Auszahlungsprozess wird die Rechtmäßigkeit des Spiels gewährleistet und ein Gesetzesverstoß vermieden.
Japan hat auf diese Art und Weise einen eigenen Weg gefunden, seine Gesetze rechtmäßig zu umgehen und dadurch eine Industrie geschaffen, die angeblich höhere Jahresumsätze als Las Vegas generiert. Obwohl dieses Spiel aus unserer Sicht ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, spielt man, sobald man die Regeln verstanden hat, praktisch gesehen legal in einem Land, in dem das Glücksspiel illegal ist...
Nord & Südkorea – Sind dort die strengsten Gesetze zu finden?
Über den Alltag und die Aktivitäten speziell in der Freizeit der nordkoreanischen Bevölkerung ist in unseren Breiten nur wenig bekannt. Bekannt ist jedoch, dass das Glücksspiel in Nordkorea strengstens verboten ist und der Bevölkerung des Landes die Teilnahme an Glücksspielen – weder online noch in landbasierten Casinos – strikt untersagt ist.
Umso überraschender mag es daher klingen, dass zwei Casinos in Nordkorea eröffnet haben, um dort dem Glücksspiel frönen zu können. Diese sind aber nur für ausländische Besucher vorgesehen und können nur im Rahmen einer geführten Tour besucht werden. Es wird auch davon ausgegangen, dass Nordkorea neben den beiden eigenen Glücksspieltempel auch einige illegale Casinos in Südkorea betreibt, um die eigenen Regierungsgeschäfte zu finanzieren und gleichzeitig die Autorität Südkoreas zu untergraben.
Das Glücksspiel in Südkorea und dessen Regulierung ist – vielleicht überraschenderweise – ähnlich aufgebaut, wenn auch etwas komplizierter. Das landgestützte Glücksspiel ist theoretisch legal, doch das Spielen in den meisten Casinos führt für südkoreanische Staatsbürger mit hoher Wahrscheinlichkeit zu hohen Geldstrafen und kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Die Legalität dieser Regelung beruht darauf, dass es im ganzen Land ein einziges Casino gibt, in dem Südkoreaner ungestraft spielen dürfen, dieses ist aber extrem abgelegen und fernab vom Trubel der großen Ballungszentren.
In Südkorea gehen die verantwortlichen Politiker davon aus, dass die einheimische Bevölkerung zwei- bis dreimal anfälliger für problematisches Glücksspiel ist, als in anderen Staaten. Dies ist höchstwahrscheinlich der Grund, wieso diese Regungen so strikt kontrolliert und auch streng bestraft wird. Erschwerend kommt für die südkoreanischen Spieler hinzu, dass das Spielen im Ausland das Problem einer möglichen Strafverfolgung nicht löst. Sollten südkoreanische Beamte ein Muster oder einen Grund für häufige Reisen einer Person nach Las Vegas oder in andere Zentren der Unterhaltungsindustrie vermuten, könnten diese betroffenen Personen ebenfalls strafrechtlich verfolgt werden.
Grenada – Es geht nur um die Zahlen
Mehrere karibische Länder, allen voran Panama und Curaçao, sind dafür bekannt, Online-Glücksspiellizenzen an Betreiber weltweit zu vergeben. Diese Tatsache basiert auf dem Internetboom der frühen 2000er-Jahre, von deren laufenden Einnahmen viele karibische Länder bis heute noch profitieren.
Allerdings haben nicht alle karibischen Inseln diese Weg eingeschlagen, und vor allem Grenada hat sich für ein komplett anderes Modell entschieden. Der kleine, aus sieben Inseln bestehende Staat, hat sich erst im Jahr 2014 dafür entschieden, das Glücksspiel auf legale Beine zu stellen, denn bis dahin wurde die landeseigene Glücksspielbranche durch das Wettgesetz von 1966 „reguliert". Das bedeutet aber auch, dass das Online Glücksspiel im Moment technisch gesehen noch immer unreguliert ist, da in der jüngsten Gesetzesnovelle aus dem Jahr 2016 nur der Begriff „E-Gaming" definiert wurde und Online Glücksspiel darin nicht explizit erwähnt wurde.
Außerdem enthielt das Casino-Glücksspielgesetz von 2014 einen sehr ungewöhnliche Passus, denn nur Hotels mit über 300 Zimmern durften ein Casino betreiben. Die Besonderheit dieser Regelung liegt darin begründet, dass Grenadas größtes Hotel, das Royalton Grenada, bis zum heutigen Zeitpunkt nur 269 Zimmer seinen Gästen zur Verfügung stellt. Diese geschickte Gesetzeslücke ermöglichte es der Regierung von Grenada, Casinos theoretisch zu legalisieren, ohne jemals eine einzige Casino-Lizenz ausgestellt zu haben.
Ein weiterer interessanter Fakt findet sich in einer Publikation über das Online Glücksspiel aus dem Jahr 2000. Wie bereits oben erwähnt hatte Grenada in der Vergangenheit ganz im Gegensatz zu vielen seiner karibischen Nachbarinseln nicht den Weg der Online-Glücksspiellizenzvergabe eingeschlagen, aber dennoch hatte der Inselstaat laut der betreffenden Veröffentlichung Mitte der 1990er-Jahre mindestens eine Lizenz vergeben. Natürlich sind in diesem Zusammenhang viele Spekulationen betrieben worden, ob diese Lizenzvergaben mit den dringend benötigten Finanzspritzen für die Wirtschaft Grenadas zu dieser Zeit zusammengehangen sind. Ungeachtet dessen ist es weiterhin spannend, verborgene Fakten aufzudecken und den noch so kleinen Hinweisen nachzugehen.
Philippinen - Was die Kultur eines Landes bewirkt
Auch auf den Philippinen hat sich in den letzten Jahrzenten die Glücksspielindustrie stetig weiterentwickelt. Unter der lokalen Bevölkerung erfreuen sich neben den gängigen Casinospielen wie Baccarat oder Blackjack auch weniger verbreitete Wettmöglichkeiten wie Hahnenkämpfe (Sabong) und Pferderennen großer Beliebtheit. Im Moment versucht das Land sich dem Online Glücksspielmarkt zu öffnen, indem es u.a. auch Wetten auf virtuelle Hahnenkämpfe anbietet. Viele Gegner dieses Vorhaben äußern jedoch heftige Bedenken, darunter auch der philippinische Präsident.
Die asiatischen Kulturen und deren Gepflogenheiten sind bekannt für ihre vielen spezifischen Traditionen, Eigenheiten und Rituale, die für Außenstehende oft schwer verständlich und kaum nachvollziehbar sind. Hierzu gehört auch die Ausübung des Glücksspiels bei Beerdigungen. Auf den Philippinen ist es üblich, während der Totenwache, die auch Lamay genannt wird, zu spielen, denn diese Totenrituale dauern mehrere Tage an und sind im Wesentlichen spezielle Bestattungsrituale für den Verstorbenen.
Diese relativ lange Zeitspanne vor der Beerdigungszeremonie dient dazu, den Angehörigen genügend Zeit für die An- und Heimreise zu ermöglichen. Neben den allgemeinen Vorbereitungen, die für die Beerdigung notwendig sind, wie beispielsweise Beileidsbekundungen, Spenden, Speisen, Getränke und anderen Feierlichkeiten, ist das Glücksspiel und das Kartenspielen eine typische Beschäftigung, die der trauernden Familie zugestanden wird, und die dabei helfen soll, wach zu bleiben, da sie während der gesamten Totenwache munter sein sollte.
Im Jahr 2020 verhängte die Polizei der philippinischen Hauptstadtregion (NCRPO) jedoch ein striktes Verbot für alle Arten von Glücksspiel, die während Totenwachen ausgeübt wurden. Damit sollte das illegale Glücksspiel eingedämmt werden, da diese Trauerfeierlichkeiten oft von illegalen Glücksspielanbietern benutzt wurden, um ihr Business am Laufen zu halten. Diese politische Entscheidung stieß jedoch auf heftigen Widerstand in der lokalen Bevölkerung, da es seit unzähligen Jahren üblich war, dass die trauernde Familie einen Teil der Gewinne, die aus dem Spielen erwirtschaftet wurden, zur Deckung der Beerdigungskosten zur Verfügung gestellt bekommen hatte – Geld, das nun nicht mehr verfügbar war.
Dies landesweiten Proteste führte dazu, dass die neue Regelung von der Regierungspartei nur einen Monat nach ihrer Einführung wieder aufgehoben wurde. Nun sind bei Trauerkundgebungen nur mehr zwei Tische erlaubt – einer für das Kartenspielen und der andere für das beliebte chinesische Brettspiel Mahjong – und jeder, der an einem zusätzlichen Tisch angetroffen wird, wird von der Exekutive bestraft.
Diese legislative Umsetzung ist nach wie vor bei vielen Einheimischen ein höchst umstrittenes und kontroversiell diskutiertes Thema, denn diese wollen im Grunde genommen nur ihre Angehörigen beerdigen oder ihnen auf eine traditionelle Art Respekt erweisen, die sie für notwendig halten. Andererseits haben die Befürworter dieser Gesetzeslücke die offiziellen Stellen zum Handeln gezwungen, was bei vielen Einheimischen keineswegs wohlwollend goutiert wird.
Tonga - So nah, und doch so fern
Die Glücksspielgesetze in Tonga sind denkbar einfach: Es gibt keine. Tonga scheint eines der wenigen Länder dieser Erde zu sein, die keinerlei Glücksspielgesetzgebung besitzt. Selbst die intensive Suche nach Gesetzen oder rechtlich verbindlichen Rechtsdokumenten bringt keine Ergebnisse, denn es können keine relevanten Quellen gefunden werden. Trotz dieser rechtlichen Grauzone, die in diesem Inselstaat herrscht, wird man Casinos in Tonga vergeblich suchen...
Interessant an Tongas Glücksspielgesetzen (oder deren komplettes Fehlen) ist eine Geschichte, die bis ins Jahr 2017 zurückreicht, als die zuständigen Regierungsvertreter tatsächlich eine - die einzige - Glücksspiellizenz vergab. Das vermeintlich glückliche Glücksspielunternehmen, das den Zuschlag erhielt, plante 450 Millionen US-Dollar auf einer der 169 Inseln zu investieren und bekam dafür die Exklusivrechte sowie die Unterstützung des zuständigen tongaischen Ministers zugesichert. Dieser versprach, die Gesetzgebung dementsprechend anzupassen, sofern die vorgegebenen Bedingungen erfüllt würden – darunter jene, dass die überwiegende Mehrheit der Angestellten und Beschäftigten von der Insel selbst stammen müssten.
Dieser Vertrag bewirkte jedoch eine heftige Gegenreaktion der lokalen Bevölkerung, die auch aus religiösen Beweggründen angetrieben war, die schlussendlich so stark war, dass die Regierung gezwungen war, jegliche Versuche, Casinoeinnahmen auf die Insel zu bringen, zu unterbinden. Diese Änderung in den Vorhaben geschah, obwohl die Einwohner von Tonga von jeglichen Casino-Aktivitäten ausgeschlossen gewesen wären und diese Glücksspiel-Angebote, wie auf den meisten Inseln weltweit, ausschließlich für Touristen zur Verfügung gestanden wären. Dieser Umstand zeigt, dass das Glücksspiel in Tonga zwar nicht durch spezifische Gesetze geregelt ist, es aber praktisch unmöglich ist, dort zu spielen und daher auch nicht als zusätzliche Einnahmequelle des Staates zur Verfügung steht.
Die Insel Saint Martin – Ziehen sich Gegensätze wirklich an?
Diese kleine Karibikinsel ist ein ausgesprochen gutes Beispiel dafür, wie unterschiedliche Länder und Rechtssysteme in unmittelbarer Nähe nebeneinander bestehen können. Diese Insel ist durch zwei europäische Länder aufgeteilt und wird daher auch als Saint Martin (französische Bezeichnung) und Sint Maarten – der niederländische Name - in den Atlanten dieser Welt kartiert. Beide Bereiche der Insel sind beliebte Touristenziele und bieten den Besuchern starke Kontraste, die auch auf die Geschichte der beiden Ländern beruht.
Der französische Teil der Insel unterliegt dem französischem Recht, jedoch fällt die niederländische Seite, obwohl sie zu den Niederlanden gehört, nicht unter niederländische Gerichtsbarkeit. Daher gelten dort auch keine niederländischen Glücksspielgesetze, die in Kontinentaleuropa zu den fortschrittlichsten, aber auch strengsten gelten. Das bedeutet für den niederländischen Teil der Insel aber auch, dass es kaum eine Glücksspielregulierung gibt und selbst die bestehende wird oft von den Betreibern nicht eingehalten. Die gesamte Glücksspielbranche operiert de facto in einer Grauzone. Dieser Mangel an Regulierung beschränkt sich bei Weitem nicht nur auf das Glücksspiel, und so hat sich Sint Maarten im Lauf der Zeit den zweifelhaften Ruf als die „Sündeninsel" der Karibik erhalten.
Gegenwärtig gibt es 13 Casinos auf der niederländischen Seite der Insel (eine enorme Zahl, wenn man bedenkt, dass der niederländische Teil dieser Insel nur 41 km² groß ist), jedoch findet man auf der französischen Seite kein einziges derartiges Spiel-Etablissement. Dies beruht auf mehreren Gründen:
- Die französischen Glücksspielsteuern gehören weltweit zu den höchsten.
- Der französische Teil gilt als der weniger entwickelte und daher auch ärmere Teil der Insel.
- Die meisten Touristen besuchen die niederländische Seite mit seinen schicken touristischen Einrichtungen und weiten Sandstränden.
Werden alle drei Gründe zusammengenommen, so macht der Bau eines Casinos auf der französischen Seite wenig Sinn.
USA – Die Heimat der kuriosen Gesetze
Es gibt wohl kein Land auf dieser Welt, das über so viele bizarre und seltsame Gesetze verfügt und diese auch gegenwärtig noch beschließt, wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Jeder einzelne Bundesstaat hat seine eigenen Vorschriften und Gesetze, von denen viele bereits mehrere Jahrzehnte alt sein können. Dies hindert die Regierungsverantwortlichen jedoch nicht daran, dass diese bis heute gültig sind und auch zur Anwendung kommen.
Lassen Sie uns einige dieser kuriosen Gesetze etwas genauer ansehen.
Kentucky
In Kentucky besteht für Spieler unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, gerichtlich gegen erlittene Spielverluste vorgehen, und zwar wenn die folgenden Kriterien gegeben sind:
- Der Verlust beträgt mehr als 5 US-Dollar,
- es wurde an einem illegalen Wett-Ereignis teilgenommen,
- und die Klage wird innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Vorfall eingebracht.
Die letzte Bedingung wird in den meisten Fällen jedoch recht locker gesehen, da Sie später auch eine dritte Person mit der Klageerhebung beauftragen können. Außerdem besteht Anspruch auf eine höhere Entschädigung als den tatsächlich erlittenen Verlust.
Ein bekanntes Beispiel für diese Gesetzesauslegung ist der zehnjährige Rechtsstreit zwischen dem Bundesstaat Kentucky und PokerStars. Online-Poker ist in Kentucky technisch gesehen illegal. Der Staat konzentriert sich jedoch eher auf die Bestrafung ausländischer Online-Anbieter als auf die Spieler selbst. 2011 behaupteten einige Rechtsvertreter Kentuckys, dass mehr als 34.000 Bürger des Staates zwischen 2007 und 2011 illegal auf PokerStars gespielt hätten, was zu einem Gesamtverlust auf Spielerseite von mehr als 290 Millionen US-Dollar geführt hätte. Der US-Bundesstaat Kentucky ging im nächsten Schritt gegen den Online-Glücksspiel-Riesen wegen „erlittener finanzieller Verluste und des schmerzhaften Schadens für seine Bürger" gerichtlich vor.
Im Jahr 2021, mehr als zehn Jahre nach dem Beginn des Rechtsstreits, stimmte PokerStars laut mehreren Berichten zufolge einer außergerichtlichen Einigung zu und erklärte sich bereit, 300 Millionen US-Dollar – zehn Millionen mehr als die tatsächlichen Verluste – an den Staat Kentucky zu zahlen. Laut dem geltenden Gesetz sind die vom Staat eingenommenen Gelder zweckgebunden und können nur für Bereiche wie Bildung oder Gesundheitswesen verwendet werden. Es dürfte kaum überraschen, dass viele Online-Anbieter, darunter auch PokerStars, aus diesem Urteil ihre Konsequenzen gezogen haben, und haben bis zu einer möglichen Gesetzesänderung allen Spieler aus Kentucky den Zugang zu ihren Plattformen untersagt, um ähnliche Probleme in Zukunft zu vermeiden.
Hawaii
Hawaii ist einer der wenigen US-Bundesstaaten, in denen das Glücksspiel komplett verboten ist. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Aber-Millionen von auf Hawaii erwirtschafteten US-Dollars in Städte wie Las Vegas oder Atlanta abwandern. Die Casino-Metropolen am US-Amerikanischen Kontinent sind ein beliebtes Reiseziel für die Spieler von der Pazifikinsel, die „nur ein paar Flugstunden entfernt" liegen.
Die Besonderheit der hawaiianischen Glücksspielgesetze liegt darin, dass Hawaii den Besitz praktisch aller Spielautomaten verbietet – egal ob aktiv, deaktiviert, antik, beschädigt oder Replika. Kurz gesagt: Es spielt keine Rolle, ob Ihr antiker Spielautomat nur ein Dekorationsobjekt für Ihr neues Spielzimmer oder für ein Restaurant ist – Sie dürfen ihn de facto nicht besitzen. Das Gesetz geht sogar so weit, dass Personen, die zum zweiten Mal beim Aufstellen eines Spielautomaten erwischt werden, wegen eines Verbrechens angeklagt werden.
Erschwerend kommt hinzu, dass das Gesetz nicht eindeutig ausgelegt ist, was es extrem schwierig macht, beispielsweise zu unterscheiden, ob ein Süßigkeitenautomat als Spielautomat gilt oder nicht. Hawaii ist jedoch nicht der einzige US-Bundesstaat, der Spielautomaten komplett verbietet. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels wird auch South Carolina, Tennessee, Connecticut und Nebraska der private Besitz von Spielautomaten untersagt.
Texas
Man muss kein Glücksspielexperte sein, um zu wissen, dass Poker und Texas eine lange gemeinsame Geschichte haben. Und während bestimmte Erfindungen oft zum Stolz der Stadt, des Bundesstaates oder des Landes werden, ist die Situation bei Poker nicht ganz so einfach. Diese Tatsache schauen wir uns etwas genauer an.
In den letzten Jahren haben die texanischen Behörden versucht, das beliebte Kartenspiel aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen. Das bedeutet, dass Online Poker in Texas zwar gegenwärtig völlig legal ist, landbasierte Poker-Einrichtungen hingegen sind es nicht.
Texas befindet sich seit geraumer Zeit in einem erbittert geführten Kampf gegen die in breiten Bevölkerungsschichten beliebten Poker-Clubs. Diese haben jedoch eine – wie sie es nennen – Grauzone im Gesetz entdeckt, die es Poker-Betreibern angeblich erlaubt, weiterhin - unter bestimmten Bedingungen - ihr Geschäft auszuüben. Die Auseinandersetzung zwischen den Kontrahenten wird zunehmend schwieriger und intensiver.
Die Idee hinter der Gesetzeslücke basiert auf der Annahme, dass die Legalität von Poker-Etablissements nicht in Frage gestellt werden kann, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:
- Diese Poker-Clubs müssen als private Unternehmen geführt werden, weshalb viele auch den Status privater Clubs verwenden.
- In diesem Clubs dürfen keine Spiele mit Hausvorteil angeboten werden, sondern nur Spiele bei denen zwischen Spielern die gleichen Gewinnchancen bestehen.
- Sie dürfen keinen wirtschaftlichen Gewinne aus dem Betrieb der Poker-Clubs erzielen werden. Daher wird auch keine Gebühr (Rake) von den Betreibern einbehalten. Die Veranstalter dieser Spieler können jedoch Mitgliedsbeiträge von den Spielern einverlangen oder es muss eine Gebühr pro einzelnen Sitzplatz von Spielerseite an den Club bezahlt werden.
Die Anbieter der Poker-Clubs geben an, dass es ihr Ziel sei, denillegal betriebenen Poker einzudämmen und die Sicherheit der Spieler durch die Etablierung einer sicheren und „legalen" Einrichtung zu ermöglichen. Auf der Gegenseite argumentiert Cara Mendelsohn, Stadträtin des 12. Bezirks von Dallas, dass das Angebot dennoch eindeutig illegal sei. Außerdem postuliert sie, dass es einen großen Graubereich im Umfeld des Pokerspiels gebe. Daher wird davon ausgegangen, dass es sehr bald einige Klagen gegen diese Poker-Einrichtungen eingebracht werden.
Apropos Klagen: Es gibt mehrere Beispiele aus der Vergangenheit, in denen die texanischen Behörden zahlreiche große Poker-Clubs wegen illegalen Poker-Veranstaltungen durchsuchten und einige Verdächtige dingfest machten. Ein bekanntes Beispiel stammt aus dem Mai 2019, als die Polizei neun Vertreter zweier großer Poker-Clubs in Houston verhaftete, sie aber zwei Monate später aufgrund von Verfahrensfehlern und Interessenkonflikten von Seiten der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß setzen musste.
Beide Clubs waren von denselben Personen kontaktiert worden, die gegen einen Betrag in der Höhe von 250.000 US-Dollar einschlägige Hilfe bei der Legalisierung von Poker auf Landesebene anboten. Einer der Geldempfänger arbeitete sogar für die Staatsanwaltschaft und bearbeitete den betreffenden Fall! Dies verdeutlicht, wie verstrickt die gesamte Poker-Situation in Texas ist – illegal, aber nicht unbedingt einfach zu regulieren. Solange die Betreiber von Poker-Clubs mögliche Razzien, Verhaftungen und Klagen in Kauf nehmen, und ihre Schuld vor Gericht möglicherweise gar nicht bewiesen werden kann, sind dem Bundesstaat Texas nur begrenzte Möglichkeiten in der Eindämmung dieses beliebten Spiels gegeben.
Island - Andere Praktiken, gleiche Probleme
Island ist zwar nicht als Land der Glücksspieler bekannt, dennoch ist dieser europäische Inselstaat durchaus erwähnenswert, denn rund um Reykjavík wird das gesamte Glücksspiel von Nichtregierungsorganisationen reguliert, und die daraus gewonnenen Einnahmen werden wohltätigen Zwecken zur Verfügung gestellt, wie beispielsweise der öffentlichen Entwicklung, dem Gesundheits- und dem Schulwesen. Lotterien, Sportwetten, Bingo und Spielautomaten sind daher in Island legale Glücksspielformen Die Slots generieren die höchsten Einnahmen aller legalen Glücksspielarten und sind bei vielen Einzelhändlern und in zahlreichen Gastwirtschaften aufgestellt.
Die isländische Gesetzgebung besagt, dass alle Spielautomaten (oder elektronische Spielmaschinen, wie sie dort genannt werden) von der Behörde Íslandsspil reguliert werden müssen, einer gemeinschaftlichen Agentur, die fast 30 Jahre lang aus drei NGOs bestand: dem Isländischen Roten Kreuz, der Isländischen Such- und Rettungsvereinigung (ICE-SAR) und dem Nationalen Zentrum für Suchtmedizin (SÁÁ). Alle Glücksspieleinnahmen wurden anschließend entsprechend ihren Anteilen unter den drei verschiedenen NGOs aufgeteilt:
Trotz des klar definierten Aufteilungsschlüssels beendete das Nationale Zentrum für Suchtmedizin (SÁÁ) im Jahr 2021 seine Beteiligung an Íslandsspil. Dieser Schritt war aufgrund des anhaltenden öffentlichen Drucks und der kontinuierlichen Kritik notwendig geworden, der alle drei Organisationen über viele Jahre ausgesetzt waren. Dies galt insbesondere für die SÁÁ, die besonders heftig dafür kritisiert wurde, sowohl Suchtbehandlung anzubieten als auch davon vom Spielen selbst zu profitieren. Im neu verhandelten Rahmenvertrag über die Einnahmen aus dem Glücksspiel erhält nun das Rote Kreuz 68,75 % der eingenommenen Geldbeträge von Íslandsspil, während ICE-SAR auf einen Anteil von 31,25 % kommt.
In den letzten Jahren hat der soziale Druck auf die Betreiber von Spielautomaten tendenziell zugenommen, da immer mehr Menschen ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse über den Spielprozess und die Spielsucht öffentlich gemacht haben. Gleichzeitig wurden nach der COVID-19 Pandemie zahlreiche Berichte von Isländern veröffentlicht, die sich darüber freuten, dass ihr Spielverhalten dank des Lockdowns nicht mehr als problematisch anzusehen war.
Obwohl die SÁÁ dauerhaft eine wichtige Einnahmequelle verlor, entschied sie sich für eine ethisch korrekte Ausrichtung ihrer Tätigkeiten – und das blieb nicht unbemerkt. So erhielt die Organisation beispielsweise eine Spende von 10 Millionen ISK von einem Mann, der die Entscheidung der SÁÁ lobte und gleichzeitig seine 40-jährige Abstinenz feierte.
Eine ganz ähnliche Situation ist gegenwärtig in Neuseeland zu beobachten. Die Spielautomaten, die dort auch Pokies genannt werden, sind in verschiedenen Aufstellungsorten zu finden und werden von gemeinnützigen Organisationen betrieben. Auch in Neuseeland ist die steigende Zahl von Fällen der Spielsucht ein gravierendes und nicht einzudämmendes Problem, da die betroffenen Spieler im Grunde durch ihre Verluste für eine mögliche zukünftige Therapie bezahlen. Staaten wie Neuseeland und Island haben offensichtlich eigenwillige Glücksspielgesetze geschaffen, die eigentlich auf guten Absichten basieren. Um aber die herrschenden Herausforderungen zu bewältigen, sind systematischere Lösungen und ein besserer und umfassender Spielerschutz notwendig.


